Chronik

Am 14. Juli 1893 trafen sich zur Gründung im Gasthaus Grewe 40 Harsefelder unter der Leitung des Fleckenvorstehers Günther. 34 Aktive aus dieser Versammlung legten den Grundstein zur Harsefelder Feuerwehr.

6 Gewählte sollten bis zur ersten Hauptversammlung am 22. Juli alle nötigen Formalitäten erledigen. Auf dieser ersten Generalversammlung wurde der Landstraßenaufseher Techel (Amtszeit 1893 bis 1901) zum Hauptmann gewählt.

Die Freiwillige Feuerwehr war gegründet.

Wie war nun die Situation der Organisation Ende des 19. Jahrhunderts?

  • Die geleistete Arbeit war freiwillig, trotzdem mussten die Mitglieder Beitrag bezahlen.
  • Bei Verstößen gegen die Satzung oder gegen Weisungen des Hauptmannes hagelte es drastische Strafen.
  • Das Ehrengericht saß drohend über allen (nach dreimaligem Fehlen ohne genügende Entschuldigung folgte eine Verhandlung vor dem Ehrengericht).
  • Die Leistungsfähigkeit der Spritzen: Eine Handdruckspritze förderte 300 l, musste von 12 bis 16 Mann bedient werden und hatte eine Reichweite von 150 m.

Christoph Kröger (Amtszeit 1901 bis 1910) musste zu Beginn seiner Amtszeit, im April 1902, in Harsefeld eine Pflichtfeuerwehr bilden. Sie umfasste 200 Männer, welche die ihnen zugeteilten Aufgaben erfüllen mussten. Bis 1934 liefen beide Feuerwehren parallel unter der Führung des jeweiligen Hauptmannes der Freiwilligen.

Andreas Tibke (Amtszeit 1910 bis 1934) wurde schon nach kurzer Zeit unter Bewährungsprobe gestellt, 1911 gab es in Harsefeld ein Großfeuer. Die Dampfsägerei von Christian Kröger brannte. 3 Wohnhäuser, die Sägerei und mehrere Scheunen wurden ein Raub der Flammen. Es konnten nur wenige Dinge gerettet werden, wovon noch vieles gestohlen wurde.

Im Mai 1919 wütete wieder ein Großfeuer in Harsefeld. Ausgehend von der Schmiede Mahnke, Ecke Herrenstraße/Marktstraße, breitete sich das Feuer durch den starken Wind immer weiter aus und vernichtete 12 Häuser, Scheunen und Ställe.

1924 war ein wichtiges Jahr der Harsefelder Feuerwehrgeschichte. Am 4. Februar beschloss die Gemeinde eine Automobilspritze für 36.000 Goldmark zu kaufen. Die Spritze sollte eine Leistung von 1.200 l pro Minute haben. Die Firma Koebe aus Luckenwalde erhielt dem Auftrag.

Diese erste Motorspritze der Feuerwehr hatte Löschhilfe innerhalb eines Radius von 7,5 km zu leisten. Wurde sie darüber hinaus angefordert, berechnete die Gemeinde eine Gebühr von 1 RM pro Kilometer und je 9 RM die Stunde.

Am 25.11.1933 feierte die Feuerwehr Harsefeld ihr 40 jähriges Bestehen. Der damalige Brandmeister Andreas Tibken konnte noch sechs Gründungsmitglieder begrüßen. Am Ende der Jubiläumsfeier gab der Hauptmann bekannt: „Von nun an  hat nur noch der deutsche Gruß zu erfolgen“. Die Ära des „Heil Hitler“ hatte begonnen.

Auch für den neu gewählten Ortsbrandmeister Brunsen (Amtszeit 1934 bis 1949) begann eine Umstellung. Es hagelte Verordnungen, Befehle und Bestimmungen. In einem Führerbefehl hieß es: „Feuerwehrmänner, die sich nicht fügen können oder wollen, oder denen die heutige Zeit nicht passt, sind sofort aus der Feuerwehr auszuschließen“. Im November 1938 wurde die Feuerwehr der Polizei unterstellt und hieß nun Feuerlöschpolizei. Alle Feuerwehrfahrzeuge erhielten nun eine grüne Farbe.


Ebenfalls 1938 erhielt die Feuerwehr einen Mannschaftswagen mit 4 Plätzen und einem Tragkraftspritzenanhänger. Ab 1941 hatte die Harsefelder Feuerwehr zusammen mit dem Volkssturm eine Brandwache zu stellen, um bei feindlichen Fliegerangriffen nach Bränden Ausschau zu halten. Die Wache bezog Posten auf einem Aussichtsturm im Garten des Dr. König, am Ende des Oberen Friedhofs.

Am 15.06.1943 feierte die Harsefelder Feuerwehr ihr 50 jähriges Bestehen. Wegen der „ernsten Zeit“ konnte leider keine größere Veranstaltung stattfinden. Auf dem Sportplatz im Wieh erfolgte das damals übliche Gruppenexerzieren. Der Ortswehrführer Brunsen konnte hochrangige Vertreter von Partei, Polizei und Feuerwehr bei einer Feierstunde in Kaufmanns Gasthaus begrüßen. Nach den Vorträgen lud er die Gäste zu einer „Erbsensuppe mit Speck“ ein.

Da immer mehr Feuerwehrmänner zur Wehrmacht eingezogen wurden, begann im Oktober 1943 der Dienst für 12 Feuerwehrhelferinnen. Innerhalb kurzer Zeit wies ihr Ausbilder Hans Waldhoff die Gruppe in ihre Aufgaben ein.


Im weiteren Verlauf des Krieges musste die Feuerwehr immer häufiger Gedenkminuten für gefallene Kameraden einlegen. Acht Feuerwehrleute kehrten nicht zurück.

Die Besetzung Harsefelds 1945 durch Englische Truppen bescherte der Feuerwehr viele Einsätze. In deren Verlauf die Kameraden der Feuerwehr beim Löschen auch beschossen wurden.
Nach dem Zusammenbruch 1945 erhielt die Wehr ein Löschgerät aus alten Wehrmachtbeständen. Dieses Löschgruppenfahrzeug hatte eine Pumpenleistung von 1500 l pro min.


Die Feuerwehr hatte jetzt drei Löschfahrzeuge, die nicht mehr in dem Gerätehaus in der Schulstraße untergebracht werden konnten. In einem Protokoll von 1946 ist zu lesen: „Es soll versucht werden einen Neubau auszurüsten". Erst der Anfang 1949 neu gewählte Brandmeister Wilhelm Huthmann (Amtszeit 1949 bis 1961) sorgte, in seiner unnachahmlichen Art, für Planung und Bau eines neuen Gerätehauses an der Griemshorster Straße. Der Harsefelder Architekt Paul Ingold war mit der Durchführung beauftragt. 1952 findet dann die Einweihung des neuen Gebäudes mit 4 geräumigen Fahrzeugboxen statt. Der 20 Meter hohe Schlauchturm prägt bis heute das Bild Harsefelds. Das 1860 gebaute „Spritzenhaus“ in der Schulstraße hatte ausgedient.


1950 und 1951 erhielt die Wehr zwei (gebrauchte) neue Fahrzeuge: Einen PKW Dodge D – 8 (Baujahr 1939) als Mannschaftswagen und einen umgebauten Geldtransporter Opel Blitz mit Tragkraftspritzenanhänger als Löschfahrzeug. Wieder war es Wilhelm Huthmann, der frühzeitig die Wichtigkeit eines wasserführenden Fahrzeuges erkannte und erste Gespräche über die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges mit der Gemeinde 1956 suchte. Erhebliche Widerstände des Kreises und speziell des damaligen Kreisbrandmeisters Heyderich waren zu überwinden. Heyderich bezeichnete das TLF als „Modefahrzeug der Nachkriegszeit“. 1959 setzte der Ortsbrandmeister Huthmann die Anschaffung des Tanklöschfahrzeugs (Oma") gegen den Willen des Kreisbrandmeisters durch. Wie sich später herausstellte, war es eine Investition mit Weitblick. Die durch den Einsatz des Tanklöschfahrzeuges erhaltenen Sachwerte sind sicher auf mehrere Millionen zu beziffern.

In Otto Paniers Amtszeit (1961 bis 1965) fiel eine der schwersten Sturmfluten, die es je gab. In der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962 brachen im Bezirk Stade an 31 Stellen die Deiche. Die Feuerwehr war über acht Tage im Dauereinsatz. Panier verlässt Harsefeld. 1965 wählten die Kameraden der Feuerwehr Hartmut Schulz (Amtszeit 1965 bis 1975) zum Ortsbrandmeister. Er wird von Kreisbrandmeister Heyderich kommissarisch eingesetzt und soll nach Abschluss aller Lehrgänge bestätigt werden. Am 10. September 1965 beförderte Heyderich ihn zum Brandmeister und gleichzeitig zum Unterkreisbrandmeister, mit 25 Jahren einen der Jüngsten. Eine einmalige Kariere in der Feuerwehr Harsefeld: Eintritt in die Wehr 1961, Unterkreisbrandmeister 1966.

1966 stellte Harsefeld ein neues Löschgruppenfahrzeug 8 Hanomag als Ersatz für das 1945 übernommene Flughafenfahrzeug in Dienst.

Im Jahre 1968 stand Harsefeld im Zeichen der Feuerwehr. Der Kreisfeuerwehrverband veranstaltete seinen 40igsten Verbandstag in der Festhalle in Harsefeld. Zum 75-jährigen der Feuerwehr trafen Feuerwehrkameraden aus der Patengemeinde Asfeld in Frankreich ein. „Es lebe die Feuerwehr Harsefeld“, rief der Asfelder Feuerwehrchef aus und beendete mit diesem Schlusswort die umfangreichen Feierlichkeiten des 75-jährigen Jubiläums.

1969 ein weiteres neues Fahrzeug: Für den umgebauten Geldtransporter von 1951, wird ein neues Löschgruppenfahrzeug 8 Opel Blitz in Dienst gestellt.

1970 erhält Harsefeld die ersten Preßluftatmer, um in verräucherten Räumen arbeiten zu können.

1971 gründete Hartmut Schulz die erste Jugendfeuerwehr des Kreises Stade in Harsefeld. Von den damals 18 Mitgliedern sind einige auch heute noch aktiv.


Am 07.01.1972 war ein Großfeuer während der Jahreshauptversammlung. Direkt neben dem Veranstaltungsraum in der Gaststätte Poppe brannte ein großes Wirtschaftsgebäude auf dem Hof zum Felde.

1972 erfolgte die Gebietsreform. Durch die Zusammenlegung von 16 Ortschaften entstand die Samtgemeinde Harsefeld. Mit ihr auch die Samtgemeindefeuerwehr mit dem neuen Gemeindebrandmeister Schulz an der Spitze. Bis 1975 in Doppelfunktion auch als Ortsbrandmeister. Neuer Harsefelder Ortsbrandmeister wurde Hans-Heinrich Wohlers (Amtszeit 1975 bis 2000). Er lenkte die Geschicke der Wehr über 25 Jahre.

Zunehmender Straßenverkehr und damit verbunden auch Unfälle mit eingeklemmten Personen, Unfälle, bei denen mit herkömmlichen Mitteln und Werkzeugen keine wirksame Hilfe geleistet werden konnte - Ein Kommandofahrzeug mit Hilfeleistungssatz sollte beschafft werden. Nur der Gemeinde fehlte das Geld. Zusammen mit der Ortsverkehrswacht kam es zu einer großen Spendenaktion. Mit diesen Spenden konnte die Ausrüstung des Fahrzeuges finanziert werden. Ab Juni 1977 war die Feuerwehr auch für schwere Verkehrsunfälle gerüstet.

Als Ersatz für das über 20 Jahre alte Tanklöschfahrzeug, beschafft die Gemeinde auf Wunsch der Feuerwehr ein neues Fahrzeug. Leider war das Tor für das neue Fahrzeug zu klein und musste in Eigenleistung erweitert werden.

Im Verlauf des Jahres 1980 wird Harsefeld von einer der schlimmsten Brandstiftungsserien heimgesucht. 10 Großbrände von Juni bis September verursachten Millionenschäden. Im September wird der Brandstifter geschnappt. Selbst die überregionale Presse berichtete über diese Serie.

Die Einsätze der Feuerwehr stiegen in den Jahren bis 1986 ständig an. Die knapp 100 Einsätze in 1985 verteilen sich zur Hälfte auf Brandeinsätze und zur anderen Hälfte auf technische Hilfeleistung mit vielen Verkehrsunfällen.

Der 02. März 1985 ist ein tragischer Tag für die Feuerwehr: Die Kameraden Uwe Mehrkens und Thomas Hamann verunglücken auf einer Einsatzfahrt tödlich.

Im Herbst 1985 war eine erneute Brandstiftungsserie. Insgesamt 8 Brände wurden gelegt, wobei in mancher Nacht sogar zwei Feuer bekämpft werden mussten. Im Dezember konnte der Brandstifter ermittelt werden.

1986 erhielt die Feuerwehr die Räumlichkeiten über dem Gerätehaus zur alleinigen Nutzung. In 1400 Arbeitsstunden wurde aus einem heruntergekommenen Jugendheim ein schmuckes Feuerwehrheim. Im Juli 1988 ereignete sich ein außergewöhnlicher Einsatz: Auf einer Weide zwischen Ahlerstedt und Ahrensmoor stürzte eine Phantom der Bundeswehr ab. Die beiden Piloten retteten sich mit dem Schleudersitz.

1989 erhielt die Feuerwehr ein neues Löschgruppenfahrzeug 8 Magirus. Es löste das LF 8 Hanomag ab, das nach 23 Dienstjahren mit einem Motorschaden ausgemustert wurde.


Ein deutliches Signal setzte der Feuerwehrausschuss der Samtgemeinde auf einer Sitzung im August 1990: 600.000 DM stehen im Investitionsprogramm für den Neubau eines Gerätehauses bereit - Es sollte allerdings noch bis 1995 dauern, bis mit dem Neubau begonnen wurde.

Zunächst stand das Jubiläum „100 Jahre Feuerwehr Harsefeld“ auf dem Programm. An mehreren Wochenenden 1993 begrüßten die Feuerwehrkameraden viele Gäste zu den unzähligen Veranstaltungen.

Immer größer werdende Fahrzeuge, höhere Sicherheitsanforderungen und permanenter Platzmangel sorgten dafür, dass nun endlich mit dem Bau des neuen Gerätehauses begonnen wurde. 1995 begannen die Bauarbeiten „Auf der Herde“. Auf dem Gelände des ehemaligen Hofes Meinke entstand innerhalb eines Jahres eine großzügige Anlage mit Fahrzeughalle und diversen Nebenräumen. 1996 konnte ein prächtiger Gebäudekomplex seiner Bestimmung übergeben werden.

Inzwischen war auch ein Schlauchwagen mit über 2000 Meter Schlauchmaterial vom Bund und der Rüstwagen des Landkreises Stade bei der Feuerwehr stationiert. Dazu noch das neue Jugendfeuerwehrfahrzeug, somit waren alle Fahrzeugboxen der neuen Halle besetzt.

 

Diesen Beitrag teilen

FacebookTwitterPinterestGoogle Plus